[INTERACT08] Tag 1

Heute war der erste Konferenztag der Interact 2008. Wie bereits erwähnt, geht es hier um Unified Communications. Ein weiter Begriff, aber im Wesentlichen die Verschmelzung von Telefonie, Echtzeitkommunikation, E-Mail und Webdiensten.

In der Keynote hat Gurdeep Singh Pall die Strategie von Microsoft unterstrichen, verstärkt in diesen Bereich zu investieren. Insbesondere die Zusammenarbeit und Zertifizierung von Media Gateways verschiedener Hersteller ist eine wichtige Aufgabe. Noch dieses Jahr sollen beispielsweise Cisco-Lösungen für OCS und Exchange zertifiziert werden. Gemeinsam mit Partnern wurde eine Projektlösung vorgestellt, in der anschaulich gezeigt wurde, wie die Medien verschmelzen können. Ein Einrichtungshaus mit rund 120 Filialen stand im Mittelpunkt. Ein Kunde kommt herein und möchte ein Weinglas kaufen. In den Regalen kann er nichts passendes nach seinem Geschmack finden. Er wendet sich an einen Mitarbeiter, der ihm direkt am Tablet PC die grundsätzliche Auswahl anzeigt. Dabei sieht der Kunde das Glas, das er haben möchte. Leider ist es nicht auf Lager. Jedoch ist ersichtlich, dass das Glas in einer anderen Filiale im Nachbarort vorrätig ist. Kunde fährt dort hin und seine Gläser stehen schon bereit. Beim bezahlen mit Kreditkarte gibt er gleich seine E-Mail-Adresse an und bekommt die Rechnung per E-Mail. Auf dem Heimweg fällt ihm ein, dass er nachfragen wollte, ob sie spühlmaschinenfest sind. Da er die Rechnung nicht mitgenommen hat, kann er nicht unmittelbar anrufen. Zuhause angekommen erwartet ihn die E-Mail mit einem Weblink “Haben Sie Fragen zu dieser Bestellung?”. Er klickt darauf, kann seine Telefonnummer eingeben (die nicht an den Mitarbeiter übermittelt wird sondern nur vom System verarbeitet wird) und direkt die Frage eintippen. Die Nachricht geht an den Verkäufer, der an seinem Tablet PC gleich die dazu gehörende Rechnung sieht. Seine VoIP-Anwendung fragt ihn, ob er einen Rückruf starten will, was er tut. So kann er unmittelbar dem Kunden die Antwort geben, dass die Gläser spühlmaschinenfest sind. Klingt auf den ersten Blick vielleicht unspannend. Aber dieses Szenario macht die Vernetzungsmöglichkeiten deutlich.

Ein eingespieltes Video während der Keynote zeigte ein Anwendungsbeispiel für Microsoft Roundtable: Ein Schüler liegt im Krankenhaus und kann über ein Notebook mit Webcam in seinem Krankenzimmer weiterhin am Unterricht seiner Schulklasse teilnehmen. Der Klassenraum ist mit einem Roundtable ausgestattet, so dass der Schüler fast wie in Realität eine 360°-Sicht hat und relativ gut am Unterricht teilnehmen kann. Ich denke mal, gerade in diesen Anwendungsfällen werden sich künftig viele neue Lösungen ergeben.

Die Veranstaltung an sich erinnert an eine kleine, familiäre TechEd mit Teilnehmern aus 25 Ländern. Ich kenne keine offiziellen Zahlen, schätze aber mal so rund 900 Teilnehmer. Verteilt auf 4 Vortragsräume, in denen die Sessions parallel abgehalten werden. Die Logistik ist bislang sehr gut. Besonderen Wert wird während der Vorträge auf Interaktion gelegt – sprich man kann Fragen stellen und auch nach dem Vortrag stehen die Sprecher in einer Arte Kaffeepause zur Verfügung. Gemäß dem Motto: “Questions welcome”.

Ich bin gespannt auf das allgemeine Konferenzfeedback. Es ist die erste Konferenz dieser Art und Microsoft plant, sie künftig jährlich durchzuführen.

Viele Grüße
Dieter


Dieter Rauscher
MVP Forefront